"zu Spät"

Pater Martin war 12 Jahre lang Abt in Einsiedeln, lebt heute als gewöhnlicher Mönch in Einsiedeln, schreibt Bücher über die Kirche, Texte, die provozieren, nachdenklich machen und auch Hoffnung geben. Er unterrichtet am Gymnasium und nach unserem Gespräch leitete er Exerzitien für die Gemeinschaft. Zu spät sein gibt die Freiheit, die Paläste zu verlassen, Macht abzugeben und als Kirche für die Menschen da zu sein und nicht umgekehrt. «Menschlich gesehen macht es einen grossen Unterschied, ob es fünf vor zwölf ist oder fünf nach zwölf.» Wir können nicht mehr verzweifelt retten, was vielleicht noch zu retten ist, sondern wir müssen uns der konkreten Situation stellen, wir müssen aufbrechen. Kommen Sie mit zu einem sehr aufrichtigen, bescheidenen und sehr tief katholischen Menschen.
Elisa Sprecher

Der unbegreifbare Chef

Das Bibelgespräch-Team von Gabriele Berz-Albert, Stefan Wenger und Judith Dummermuth-Attinger hat für die Passionszeit das Gleichnis zu Beginn von Matthäus 20 ausgewählt. In dieser Geschichte erzählt Jesus, wie der Hausherr zu verschiedenen Tageszeiten Arbeiter für den Weinberg dingt. Schliesslich bekommen alle einen vollen Tageslohn. Dass die Arbeiter, die den ganzen Tag gekrampft haben, das nicht begreifen, ist verständlich. Aber der Hausherr ist großzügig. Wir können ihn mit Gott vergleichen. So ist Gottes Großzügigkeit für viele unbegreiflich. Darüber möchten wir sprechen.
Ueli Häring

Jubiläum in der Scherzligkirche

Wer die Kirche Scherzligen betritt, findet auf der rechten Seite ein eindrückliches Passionsgemälde, welches die ganze Südwand des Kirchenschiffs ausfüllt. Der Betrachter der Leidensgeschichte Christi wird nicht mehr durch horizontale Streifenerzählungen, wie sie die Nordwand zieren, von einer Kreuzwegstation zur andern geführt, sondern er sieht sich auf dem grossflächigen Wandbild der Stadt Jerusalem gegenüber, in der und um die herum sich das ganze Drama der Passion abspielt. So kann jeder optisch und innerlich die in Bibel und Legenden überlieferten Geschichten rund um die letzten Tage Jesu in Jerusalem nachvollziehen und sich dabei in diejenige Szene versenken, die ihn besonders anspricht, um dort, in Resonanz zu seinem eigenen Leben, länger zu verweilen. Die Passionswand wird dadurch zu einem Meditationsbild par excellence, welches den Betrachter ganz persönlich ansprechen und im Stil der «Imitatio Christi» auf dem eigenen «Kreuz- und Auferstehungsweg» begleiten kann. Das Gemälde ist 550 Jahre alt. Bilder finden Sie hier.
Hans Stalder

Ikonenmalen in Thun

Kann jeder das Ikonenmalen erlernen?  Was ist das Besondere hieran? Seit einigen Jahren werden unter Anleitung des Künstlers Karl Abraham Selig in der Johanneskirche in Thun in einem Wochenkurs Ikonen gemalt - oder im Verständnis der Ostkirchen: geschrieben. Im Gespräch mit Beate Litzko erzählt Herr Selig über die Herstellung der Ikonen und deren Geschichte, die geprägt ist von der Theologie und dem Gottesdienst der orthodoxen Kirchen. Einige Teilnehmerinnen berichten von ihren Erfahrungen als Neulinge und als Erfahrene. Beate Litzko

Kapuziner auf Zeit

Bruder Kletus war Kapuziner auf Zeit und… blieb im Kloster. Wer sich früher entschied, sein Leben im Kloster zu verbringen, legte sein Gelübde ab und damit sein Leben lebenslänglich in Gottes Hand: «Ora et labora». Heute ist die Kirche offener. Der Wandel der modernen Zeit beeinflusst auch das Klosterleben. Kletus Hutter ist im St. Galler Rheintal aufgewachsen. Die Kirche hatte immer einen zentralen Platz in seinem Leben. Er war Ministrant. Im ökumenischen Kloster Taizé erfuhr er die Sehnsucht nach dem Glauben. Zunächst lernte er jedoch kaufmännischer Angestellter, machte danach die Ausbildung zum Religionspädagogen und im dritten Bildungsweg studierte er Theologie und wurde Pastoralassistent. Im BeO Kirchenfenster berichtet Kletus Hutter, wie er die ersten Schritte als «Bruder auf Zeit» gewagt hat, wie es ihm während dieser Lehrzeit ergangen ist und wie er seine Zukunft sieht. Heute lebt er im Kapuzinerkloster Wesemlin in Luzern.
Marianna Vogt

Reformierte Kirche im Wallis

Das Wallis gilt bei uns als erzkatholischer Kanton. So ist kaum bekannt, dass es auch im Rhonetal eine reformierte Kirche gibt. Sie ist klein und über das ganze Tal verteilt, deutsch- und französischsprechend. Vom Kanton Bern aus sind die Walliser Protestanten eigentlich unsere Nachbarn. Sie werden darum auch von hiesigen Kirchgemeinden unterstützt. Pfarrer Beat Abegglen, Innertkirchen, war längere Zeit im Wallis tätig und berichtet von seiner Zeit dort. Ueli Häring